Ur- und Frühgeschichte Schottlands


INHALT
  • die britischen Inseln waren früher mit dem europäischen Festland verbunden

  • berühmte Steinkreise und Hügelgräber Schottlands wurden von frühen Siedlern errichtet

  • Reichtum an archäologischen Fund- und Ausgrabungsstätten

  • die schottischen Brochs gibt es nirgendwo sonst auf der ganzen Welt

Steinzeit (bis ca. 2.300 v. Chr.)

Die ältesten Fundstücke von Siedlern, die im Gebiet des heutigen Schottlands gelebt haben, stammen aus der Zeit nach der letzten Eiszeit, die ca. 12.000 bis 10.000 n. Chr. ein Ende fand. Während der Eiszeiten waren die bisherigen Siedler nach Süden gezogen, um den gewaltigen Eismassen zu entkommen, die immerhin bis zu 2 km dick waren.

Am Ende der Eiszeit ließ das Tauwasser den Meeresspiegel ansteigen, während sich das Land gleichzeitig anhob, da es nun nicht mehr das schwere Gewicht des Eises zu tragen hatte. Die Folge davon waren zahlreiche Landbrücken, die die britischen Inseln mit dem europäischen Kontinent und den umgebenden Inseln verbanden: So war Orkney im Norden mit dem schottischen Festland verbunden und die inneren Hebriden hatten ebenfalls einen direkten Landzugang, während England direkt mit dem Kontinent verbunden war. So ist es zu erklären, wie die Siedler in den hohen Norden gelangten (mehr dazu unter Geologie).

Die ersten Funde dieser Neubesiedlungen waren überwiegend Feuerstein-Artefakte, wie z.B. in Elsrickle (12.000 v. Chr.) und Cramond (8.500 v. Chr.). Man hat herausgefunden, dass die damaligen Siedler vor allem Jäger und Sammler waren und vorwiegend in Küstenregionen, an Flussläufen oder am Fuße schützender Berghänge siedelten.

Ein zweiter Besiedlungsschwung fand um 4.200 v. Chr. statt. Diese Menschen, u.a. auch die ersten Kelten aus Irland, brachten den Ackerbau nach Schottland, ebenso wie die Töpferei, Haustiere, den Fischfang und die Viehzucht. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Steinkreise und Steinhügelgräber, die heute vor allem noch auf Orkney und den Äußeren Hebriden zu finden sind (wie z.B. der Ring of Brodgar, die Stones of Stenness, die Stones of Calanais oder die Clava Cairns). Bei den Hügelgräbern unterscheidet man zwischen ‘Cairns’ aus Stein und ‘Barrows’ aus Erde. 

Man nimmt an, dass die Steinkreise frühzeitliche Kalender waren.

Die bekannteste Steinzeitsiedlung Skara Brae wurde auf den Orkney Inseln entdeckt.
Der Callanish Steinkreis heisst im Gälischen Calanais Stones und liegt im Westen der Insel Lewis.
Der Ring of Brodgar ist ein Steinkreis auf Orkney Mainland.
Das Broch of Gurness ist ein Broch Dorf auf der Eisenzeit auf den Orkney Inseln.

Man hat auch zahlreiche Funde aus dieser Zeit vorzuweisen, die ganze Häuser oder gar komplette Siedlungen umfassen. Skara Brae auf Orkney z.B. war von 3.100 v. Chr. bis 2.500 v. Chr. bewohnt und wurde 1850 entdeckt, als ein Sturm die Düne abgetragen hatte, die die fast vollständig erhaltene Siedlung über Jahrtausende geschützt und versteckt gehalten hatte.

In der Nähe der Siedlung von Skara Brae befindet sich auch Maeshowe, das besterhaltenste Steinhügelgrab im Westen Europas, das wie eine Pyramide mit einem Gang in das Innere versehen war. Man geht davon aus, dass die damaligen Bewohner wegen eines Klimaumschwungs die Gegendverlassen haben und nach Süden gezogen sind.

Bronzezeit (ca. 2.300 v. Chr. – 1.200 v. Chr.)

Um 2.300 v. Chr. kamen die Glockenbecherleute nach Schottland, die bereits in ganz Europa siedelten. Sie brachten den hiesigen Siedlern vor allem Kupfer und Bronze, aus denen man gut Waffen herstellen konnte. Sie sind wohl auch für die liegenden Steinkreise verantwortlich, die man heute noch überall im Süden und im Osten Schottlands sehen kann.

Sie waren es auch, die die 'Hillforts', sogenannte Hügelfestungen, und vor allem die ‘Brochs’ nach Schottland brachten. Brochs sind Rundfestungen aus Stein, die doppelwandig gebaut wurden und nach oben hin konisch zulaufen. Man geht davon aus, dass es Wehrtürme waren, in denen sich im Falle eines Angriffs die gesamte Familie mitsamt Vieh verbarrikadieren konnte. Mysteriös ist allerdings, dass diese Steintürme nur in Schottland zu finden sind. Selbst in England, Wales oder Irland gibt es nichts Vergleichbares, ganz zu schweigen im Rest der Welt.

Eisenzeit (1200 v. Chr. – 400 n. Chr.)

Man nimmt an, dass die ersten britannischen Kelten zwischen 800 v. Chr. und 100 v. Chr. einwanderten. Mit ihnen hält das Rad in Schottland Einzug und damit auch die Getreidemühle. Man weiß nicht genau, woher sie kamen, aber man nimmt an, dass sie aus Frankreich und England stammten, also eher Festlandkelten waren. Sie siedelten sich überwiegend nördlich des Firth of Forth und im östlichen Teil der Highlands an, während die Westküste überwiegend von den irischen Kelten bzw. Skoten besiedelt war. 

Diese Kelten waren auf jeden Fall ein kriegerisches Volk und hinterließen viele Festungen, befestigte Siedlungen und ‘Crannogs’, was quasi künstliche Inseln sind. Für einen ‘Crannog’, wie man ihn z.B. im Loch Tay finden kann, werden Steine auf dem Grund eines Sees als Fundament angesammelt. Dann wird mit Holzpfählen eine Plattform darauf gebaut, so dass man darauf wiederum ein kleines Rundhaus bauen kann. Diese Crannogs hatten den Vorteil, dass man sie mit ihrer günstigen Lage gut verteidigen konnte, während man mit dem schützenden See immer eine Trinkwasserquelle zur Verfügung hatte. Über die Jahrhunderte stellten sich viele natürliche Inseln in Schottland als von Menschenhand geformte Inselfestungen heraus. 

Die britannischen Kelten hatten übrigens die Angewohnheit, sich zu tätowieren. Das ist auch der Grund, warum die Römer bei ihrer Ankunft auf der britischen Insel ihnen den Namen ‘Pikten’ gaben – was soviel wie die Bemalten bedeutet.