Orkney und Shetland Inseln


INHALT
  • nordisch beeinflusste Identität

  • UNESCO Weltkulturerbe

  • prähistorische Stätten

Die Orkney und Shetland Inseln werden oft als „Northern Islands“ zusammengefaßt und beinhalten mehr als 170 Inseln, von denen 26 bewohnt sind. Während die Bewohner der Äußeren Hebriden auf ihr gälisches Erbe pochen, pflegen die Orkney und Shetland Inseln ihre nordische Identität.

Weit draußen im Atlantik wirken die Archipele wie die letzten schottischen Außenposten.

Jahrhundertelang zu Norwegen gehörend, pflegen die Orkney und Shetland Inseln ihre eigene Identität und Kultur, die nicht zuerst schottisch, sondern nordisch geprägt ist, wovon die Sprache, die bis ins 17. Jh. „Norn“, ein altnordischer Dialekt und viele Namen und manchmal auch Bauweisen erinnern.

Während mit schottischen Augen die Stadt Kirkwall auf dem Mainland der Orkneys wie der letzte nördliche Außenposten wirkt, war sie für die Nordmänner am Ende des ersten Jahrtausends das Zentrum einer Kultur, die das seefahrende Imperium Skandinaviens mit Island, Irland und den Western Isles verband. Wind weht auch hier nicht zu wenig, was die Landschaft überwiegend harsch und baumlos macht.

Während eine Redensart die Orkadier mit ihrem reichen, fruchtbaren Farm-und Weideland als Bauern mit Booten bezeichnet, sollen die Shetländer Fischer mit einem Flecken Land sein.

Skara Brae ist eine prehistorische Siedlung auf den Orkney Inseln.
Die Orkney und Shetland Inseln im Norden von Schottland bewahren bis heute ihre nordische Identitaet.
Der Ring of Brodgar ist ein bedeutender Steinkreis auf den Orkney Inseln.

Orkney Inseln

Von den rund 70 Orkney Inseln sind 20 bewohnt, und das seit mehr als 5500 Jahren, was einige der ältesten und besterhaltensten Funde Europas aus dem Neolithikum beweisen (► Ur- und Frühgeschichte). Obwohl man eine bei Ausgrabungen 2007 gefundene Haselnussschale auf 6800 v.Chr. zurückführen will, nimmt man von Siedlungen wie dem berühmten Skara Brae eine Datierung von 3100 v.Chr. an.

Kirkwall und Stromness sind heute die größten Ortschaften der Orkneys und ihre administrativen und infrastrukturellen Zentren mit Fähren und Flugverbindungen zu den anderen Insel und dem Rest der Welt.

Kirkwall

Die größte Siedlung der Orkney-Inseln wirkt nicht nur skandinavisch, sondern war für viele Jahrhunderte ein Haupthafen für die seefahrenden Nordmänner.

Zwischen den hübschen Gassen wenden die grauen Häuser ihre Giebel dem mittelalterlichen Muster der Straßen zu.

Das Tankerness House Museum an der Einkaufsmeile Broad Street rühmt sich nicht nur, eines der besterhaltensten Stadthäuser Schottlands aus dem 16.Jh., sondern auch Aussteller wichtiger prähistorischer Kollektionen zu sein.

Die Silhouette der Stadt aber dominiert die sandsteinrote St Magnus Cathedral, die als ein feines Beispiel normannischer Architektur 1137 auf Geheiß von Jarl Rognvald gebaut und seinem ermordeten Onkel Earl Magnus of Orkney geweiht wurde. Ihre sterblichen Überreste wurden 1929 in Chorpfeilern gefunden und konnten durch den Axteinschlag im Schädes von St. Magnus identifiziert werden.

Maes Howe

Westlich von Kirkwall prunkt auf einer Schafswiese ein auf 2700 v.Ch. datiertes steinzeitliches Kammergrab, das zu den besterhaltensten von Westeuropa zählt. Steinplatten bilden einen 11m langen Gang, der in die Haupt- und Nebenkammern der Grabanlage führt.

Die Kammern sind aus präzise geschichtetem Sandstein gebaut, mit der weltweit größten Ansammlung von Runen beschriftet und auf den Punkt des Sonnenuntergangs am Tag der Wintersonnenwende ausgerichtet.

Skara Brae

1850 hat einer der berüchtigt-wilden Orkney-Stürme die Ruinen eines Steinzeitdorfes von Sand und Erde freigelegt, das heute zu einer der bedeutendsten prähistorischen Stätten gehört.

Die am vollständigsten erhaltene Siedlung in Europa wird von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt.

Seit 3100 v.Chr. für über 600 Jahre bewohnt, kann man die noch eingerichteten Steinhäuser der Siedlung mit Betten, Sitzen, Toiletten und intelligenten Abwasseranlagen sehen.

Die wichtigsten Funde sind heute in Edinburgh, im Museum of Scotland, ausgestellt. Einige Forscher gehen davon aus, daß eine plötzliche Naturkatastrophe die Siedlung verschüttete, während andere eine allmählichen klimatische Veränderung diagnostizieren, die die Bewohner zum Verlassen der Siedlung zwang.

Shetland Inseln

Einsam liegen die wettergezeichneten in mehr als 100 Eilande zerstreuten Shetland Inseln über einhundert Seemeilen vom Festland im wütenden Meer. Näher am norwegischen Bergen als an Aberdeen und auf der gleichen Höhe wie Südgrönland, ist die Hauptstadt Lerwick genauso weit wie Mailand von London entfernt. Kein Wunder, dass der Ozean die Inseln dominiert und der Fischfang bis heute die Wirtschaft vitalisiert, obwohl das Öl mittlerweile den größten ökonomischen Beitrag leistet und vom Sullom Voe Terminal in riesige Tanker gepumpt wird (► Energiewirtschaft).

Neben der Landwirtschaft ist die Schafszucht und Wollverarbeitung für die Einwohner ein wichtiger Erwerb. Die berühmten Shetlandpullover mit ihren markanten farbenfrohen Mustern werden in Heimarbeit und Wollfabriken produziert und finden sich überall ausgestellt. Zwischen den bunten Holzhäusern, den von riesigen Gletscher geformten Fjorden und Buchten und der rauhen, hügeligen Landschaft, die mehr an Norwegen als an Großbritannien erinnert, bevölkern die robusten kurzbeinigen Shetland Ponies wie in einem Bilderbuch das Inselparadies.

Clickhimin Broch und Mousa Broch

Während eines der besterhaltensten Brochs mit bis zu 5m hohen Mauern auf einer Insel im Loch Clickhimin am Stadtrand von Lerwick fast zugebaut und auf 3000 Jahre zurückdatierbar ist,  kann man das zweite Broch des Shetland Inseln nur bei gutem Wetter auf der unbewohnten Insel Mousa aufspüren. Eine Familienfähre setzt 15 Minuten zum Naturschutzgebiet über, in dem man 2,5h Aufenthalt hat. Von allen schottischen Wehrtürmen ist das eisenzeitliche 13m hohe Mousa Brochs das gigantischste.

Jarlshof

Der kulturelle Höhepunkt der Shetlandinseln ist sicherlich der Jarlshof, der seinen Namen von Sir Walter Scott bei einem Besuch 1816 romantischerweise verpasst bekam. Häuser aus der Bronze-und Eisenzeit, sowie Langhäuser der Wikinger und der Herrensitz den Grafen Stewart aus dem 16. Jh. bilden eine zerstreute Siedlung, die wie Skara Brae von einem Sturm freigegeben und ab 1925 archäologisch erforscht wurde.

Lerwick

Noch Anfang des 17. Jahrhunderts versammelten sich nur ein paar Hütten um “Lei-vik“, die „schlammige Bucht“. Bis holländische Fischer im Bessay Sund den Heringfang etablierten.

Die lebendige, von Ölarbeitern, Touristen und Insulanern frequentierte nördlichste Stadt Großbritanniens wird faszinierend im Mix aus alt und neu.

Am charmantesten erscheint die Stadt auf der Commercial Street, die mit vielen kleinen Läden und Gassen einen Villenhügel hinaufführt. Von diesem blickt das 1655 angelegte Fort Charlotte gelassen über das geschäftige Gebaren der Stadt. Nicht mal 20 Jahre später wurde die nach der Frau Georg III. benannte Artilleriebastion von den Holländern verbrannt, um 1781 wieder aufgebaut zu werden.

Dokumentiert wird die Geschichte im Shetland Museum, das darüberhinaus die vergangenen Jahrhunderte auf den Inseln Revue passieren läßt.

Orkney Mainland ist die groesste und wichtigste Insel der Orkney Inseln.
Der Jarlshof ist eine praehistorische Staette auf den Shetland Inseln.