Der Norden Schottlands & die Northwest Highlands


INHALT
  • einsame und dramatische Landschaften

  • Dornoch, Thurso & Durness im Nord(osten)

  • Ullapool und Gairloch im Nordwesten

  • Tor zur Insel Skye: Kyle of Lochalsh

  • North Coast 500: die spektakulärste Küstenstraße von GB

„Es war eine der schönsten Reisen in meinem Leben, jedenfalls die poetischste. Ich habe nie Einsameres durchschritten“, schrieb Fontane als Resümé seiner Schottlandreise im Jahr 1858 nieder. Was der Dichter in ganz Schottland zu erleben meinte -die Einsamkeit, Wildheit und Poesie der Landschaft - trifft auch heute noch vor allem auf den Norden des Landes zu.

Betäubend schöne Seen-, Berg- und Küstenlandschaften, durch die man tagelang wandern könnte, ohne einer menschlichen Seele zu begegnen, Klippen und endlose Moorweiten, über die die Wolken jagen und der Atem aussetzen will, und traumartige Buchten und Sandstrände bilden die Kulisse für eine der schönsten und unfasslichsten Regionen Europas.

Nördlich des Great Glen, einer tektonischen Verwerfung, die mitten durch das Land läuft und das schottische Hochland teilt, wuchert eine Weite und Einsamkeit, die von Reisebüchern und Magazinen als die letzte große Wildnis und den Statistikern als eine der dünnbesiedeltsten Landschaften von Eupopas beschrieben wird.

Durchschnittlich acht Menschen wohnen auf einem Quadratkilometer in den moorigen Tälern alter, stark erodierter Gebirgsformationen.

An den zerklüfteten Küsten hat sich die Gewalt der Ozeans gebissen und mit breiten Einbuchtungen und tiefen Fjorden eine Landschaft ähnlich der von Norwegen geschaffen.

Zu den szenisch schönsten Strecken Schottlands gehört sicher die Küstenstraße North Coast 500, die als Single Track ca 200km über das hübsche Ullapool weiter nach Durness und bis nach Thurso führt. Hier, an der Nordküste des britischen Festlandes, wo die Kraft der Wellen, die vom Pentland Firth an die Strände rollen, oft mit denen Hawaiis verglichen wurden kann man am Horizont an klaren Tagen die Orkney Inseln sehen.

Dornoch

Das hübsche Küstenstädtchen am Dornoch Firth ist für seine Sandstrände, Golfplätze und die berühmten, exklusiven Gäste im nahegelegenen Skibo Castle bekannt. Die in der Regierungszeit König Alexander II. gebaute Kathedrale wurde 1224 Bischof Gilbert de Moravia, dem Oberhaupt der kirchlichen Diözese Caithness geweiht. Dieser wohnte im angegliederten Castle, von dem heute nur noch der Sandsteinturm erhalten ist. Vor dem ehemaligen Stadtgefängnis erinnert ein Gedenkstein an die letzte Hexenverbrennung in Schottland.

Durness

Im spärlich bewohnten und nur über Single Track Roads erreichbaren Durness machen die Hauptattraktionen unberührte Strände und Klippen, Seevögel, Robben, Delfine und Minkwale aus (► Tiere in Schottland).

Die Küstenlinie um Durness gehört zu Europas isoliertester und spektakulärster.

Die nahegelegenen Clo Mor Cliffs rühmen sich, die höchsten Steilklippen des britischen Festlandes zu sein. Nur mit einer Personenfähre und einem Wander- oder Minibus-Ausflug wird Cape Wrath, die nordwestlichste Landspitze Großbritanniens erreichbar, über deren schäumender Gischt das Gefühl für Raum und Zeit verloren geht.

Eine größere Kolonie der seltenen Papageientaucher kann nördlich von Durness in den Sanddünen beobachtet werden. Am Loch Balnakeil, zwei Kilometer südlich von Durness, wurde eine alte RAF Radar Basis in ein buntes Handwerksdorf umgebaut, wo heute eher exzentrische Charaktere schottische Kunst und Kunsthandwerk verkaufen.

Gairloch

An der Gairloch Bucht, in deren warmen Golfstromwasser riesige Quallenschwärme lumineszieren, zerstreut sich ein beliebter Touristenort zwischen Dünen, Golfplatz und einigen behaglichen Gästehäusern. Für seine umfangreiche Dokumentation des Corfterlebens an der Westküste Schottlands wurde das örtliche Heritage Museum mehrfach ausgezeichnet. Im Hintergrund türmt sich Beinn Alligin, der westlichste Gigant des Torridon-Massivs auf.

Von hier aus lassen sich herrliche Ausflüge in diese spektakuläre Bergregion und das Beinn Eighe Naturreservat unternehmen.

Kyle of Lochalsh

Um Wegezoll zu kassieren, spannten bereits die Wikinger von der düsteren Ruine des Castle Moil zum strategisch wichtigen Kyle of Lochalsh eine schwere Kette über den Sund. Das Tor zur Insel Skye, unter dessen Namen die kleine geschäftige Siedlung in jeder Literatur existiert, scheint aber erst seit dem Brückenbau 1995 zum Dasein eines Durchgangsortes verdammt. Während früher Reisende die malerische Szenerie der Westküstensiedlung am Loch Alsh fährenbedingt mit in ihren Urlaub integrierten, rauscht heute bis auf einige Reisebusse, die in den anonymen Hotels absteigen, der Inselverkehr vorbei. Neben Ausflügen auf Skye, hält die Umgegend aber gerade landseitig mit Wanderungen ins wildromantische Glen Affric bis zu Panoramentouren entlang der Halbinsel Applecross Vielseitiges bereit.

North Coast 500

In einer der einwohnerärmsten Regionen Westeuropas wurde diese landschaftlich herrliche Küstenstraße 2016 zur schottischen “Route 66” erkoren worden.

Die “North Coast 500” soll bald ebenso berühmt sein wie ihr amerikanisches Pendant, die “Mutter aller Straßen”. 

Doch während der amerikanische Highway von Touristen wimmelt, sucht man auf der NC 500 in Schottland Menschenmassen vergebens. Die 805 km langen Straße, die durch menschenleere Landschaften und winzige Croftsiedlungen führt, wird überwiegend von Schafen bevölkert.

Zudem besteht die North Coast 500 größtenteils aus “single track roads” – einspurigen Straßen mit Ausfahrbuchten, um den Gegenverkehr vorbeizulassen (► Verkehr in Schottland). In den kleinen Ortschaften entlang der Route wie Tongue, Durness, Lochinver, Ullapool und Gairloch kann man noch typisch schottische Hochlandkultur erleben und vereinzelt sogar die gälische Sprache hören.

Thurso

Die Kraft der Wellen, die vom Pentland Firth an die Strände rollen, wurde oft mit denen Hawaiis verglichen und haben berühmte Surfer zum European Surfing Qualifying angelockt. An schönen Tagen kann man von hier bis zu den Klippen von Dunnet Head, dem nördlichsten Punkt des britischen Festlandes, und zur Orkney Insel Hoy im Norden blicken. Die nördlichste Stadt von Schottland hat Flair, wenn auch wenig an touristischen Delikatessen zu bieten. Das Heritage Museum dokumentiert die nordische Geschichte der Region, deren reiche Handelsbeziehungen mit Nordeuropa bis ins 19. Jahrhundert hinein florierten. Im nahegegelegenen Scrabster, dem „Krabbenort“ fahren die Autofähren zu den Orkney Inseln ab.

Ullapool

Von welcher Himmelsrichtung man auch immer sich annähert, das fotogene Ullapool kommt als Überraschung daher. Putzig und weißgestrichen paradieren die Cottages auf einer Landnase im Loch Broom um den von Thomas Telford entworfenen Hafen. Gegründet während des Heringbooms im 18. Jahrhundert, ist der Fischfang auch heute noch das wirtschaftliche Standbein der Stadt. Fischkutter von der schottischen Ostküste und Fabrikschiffe aus Russland und Osteuropa nutzen den Hafen als sicheren Ankerplatz und verfrachten und verarbeiten täglich mehrere Tonnen an Fisch.

Zweimal am Tag läuft zudem die Fähre zur Hebrideninsel Lewis aus.

Das kosmopolitische, ausgehlustige Flair der ausländischen Crews und Touristen verschmilzt mit der lebendigen Tradition der Einheimischen, was den Ruf von Ullapool, ein Zentrum für schottische Musik, Kunst und Performance zu sein, bis weit über die Berge von Assynt hinaustragen hat.