Steinkreise in Schottland - Ein ewiges Mysterium


INHALT
  • Die ältesten Exemplare Großbritanniens befinden sich in Schottland

  • Steinkreise wurden vor allem in der Jungsteinzeit und Bronzezeit errichtet

  • Es gibt verschiedene Formationen und Typen von Steinkreisen

  • Die Funktion ist nicht eindeutig geklärt, aber noch heute werden Rituale und Zeremonien an und in den Steinkreisen abgehalten

Der Mensch hat das Bedürfnis die Rätsel dieser Welt zu lösen. Seien es die Entstehung der Erde oder Phänomene im Weltall. Bevor es wissenschaftliche Methoden gab, dienten religöse Theorie sowie Sagen und Mythen als Erklärungsansätze. Doch bis in die heutige Zeit ist es noch nicht gelungen auf alle Fragen Antworten zu finden. Eines dieser unerklärlichen, aber nicht weniger faszinierenden Phänomene sind die Monolithen-Bauten, die auf der ganzen Welt verteilt sind. Diese wurden vor etwa 6000 Jahren ohne moderne technische Hilfsmittel aus Steinbrocken errichtet, die zum Teil mehr als zehn Tonnen wiegen. Auch in Schottland sind diese zu besichtigen. Durch Serien wie Outlander, sind im Besonderen die Steinkreise in den Fokus vieler gerückt und die Fragen: Wie haben die Menschen diese Steinformationen errichten können und fast noch wichtiger... warum?

Allgemeine Informationen

Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Steinkreise in Großbritannien um 3000- 2500 v.Chr. an der Küste und in den Lowland Regionen errichtet worden sind und es über 1300 Exemplare in Britain und Irland gibt. In Schottland lassen sie sich vor allem auf den Orkney und Shetland Inseln finden, in Aberdeenshire sowie im Argyll und der Region Dumfries & Galloway.

Von Bedeutung waren sie in der Jungsteinzeit und dem frühen Bronzezeitalter. Sie sollen in Verbindung mit dem Sesshaftwerden der Menschen und der Entwicklung der Landwirtschaft stehen. Da es sich aber um tonnenschwere Granitblöcke handelt, die zum Teil kilometerweit transportiert worden sind, muss es einen starken Gemeinschaftssinn in der damaligen Kultur gegeben haben.

Auch wenn sich einer der bekanntesten Steinkreise Großbritanniens, Stonehenge, in England befindet, so stehen die vermutlich ältesten, Stennes und Callanish, in Schottland und sind um 2900-2600 v.Chr. zu datieren.

Ob es sich bei dem Phänomen um einen französischen Einfluss handelt, oder ob die britischen Steinkreise unabhängig davon entstanden sind, ist bis heute unter den Wissenschaftlern umstritten.

 

 

Beispiele für Typen von Steinkreisen

Die Steinkreise wurden in verschiedenen Formationen errichtet. So soll es in Schottland um die 71 sogenannten „axial stones“ geben. Bei diesem Typus werden die Steine der Größe nach aufgestellt und einer liegend positioniert. Dieser wird in den meisten Fällen von den zwei Größten aufrecht stehenden flankiert. Es handelt sich hierbei nicht um einen alleinstehenden Steinkreis, sondern es wird ein vom Menschen geschaffener oder bearbeiteter Hügel umfasst. Diese Form lässt sich besonders häufig in der Region Aberdeenshire in Schottland finden.

Zudem gib es die „Concentric Circles“. Hierbei werden zwei oder mehrere Steinkreise ineinander aufgestellt und oftmals befindet sich eine Art Kopfsteinpflaster im Inneren. Auch zentrale Hügel, weitere abgelegene Steine oder Alleen werden in Zusammenhang mit diesem Typus vorgefunden. Da des Öfteren menschliche Überreste im Steinkreis vorgefunden wurden, wird davon ausgegangen, dass dieser Formation für Beerdigung oder Verbrennungen genutzt wurde.

Funktion von Steinkreisen

Dieser Punkt bringt uns zur wohl wichtigsten Frage. Warum haben die Menschen damals die Mühe auf sich genommen und die Steinkreise errichtet? Bis heute gibt es keine klare Antwort und vermutlich wird diese auch nicht mehr gefunden.

Mit der Zeit haben sich aber verschiedene Theorien herausgebildet und es wird davon ausgegangen, dass die einzelnen Steinkreise nicht nur eine Funktion innehatten, sondern für mehrere Zwecke dienten.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass es sich bei den Steinkreisen um religiöse oder spirituelle Orte handelte, an denen Zeremonien und Rituale durchgeführt wurden. Noch immer gibt es verschiedene Gruppen, wie die Wicca- und Neopagan-Bewegung sowie Druiden, die sich zu bestimmten Feierlichkeiten an den Steinen treffen und Zeremonien abhalten, an denen auch Außenstehende teilhaben können. So zum Beispiel am Ring of Brodgar und den Stones of Stenness, welche sich in der Nähe der Stadt Stromness auf dem Mainland der Orkney Inseln in Schottland befinden. Von besonderer Bedeutung sind die Sommer- und Wintersonnenwende. Dabei versammeln sich auch heutzutage viele Schaulustige an den bekannten Steinkreisen wie Stonehenge oder an den Hügelgräbern, wie Newgrange nahe Dublin in Irland. Die präzise Ausrichtung nach den beiden Ereignissen lässt auch die Vermutung zu, dass die Steinkreise für astronomische Zwecke genutzt wurden. Zum Beispiel zur Nachverfolgung des Stands der Sonne und des Mondes. Von einem Zusammenhang mit den Toten, sei es als Begräbnisstätte oder Mahnmal wird ebenfalls ausgegangen. Möglicherweise fungierten Steinkreise aber auch als Orte für Versammlungen. Manche der moderneren Theorien besagen zudem, dass sie im Zusammenhang mit außerirdischem Leben stehen.

Der Ring of Brodgar ist ein bedeutender Steinkreis auf den Orkney Inseln.
Die Callanish Stones auf der Insel Lewis gehören zu den kostbaren Relikten der schottischen Frühgeschichte.

Callanish Stones

Bei den schon genannten Callanish Stones (gäl. Clachan Chalanais oder Tursachan Chalanais), welche sich an der Westküste der Isle of Lewis nahe des Ortes Callanish befinden, handelt es sich um einen Steinkreis, der aus 13 Steinen besteht und in der Mitte einen Monolithen aufweist. Der Durchmesser beträgt 11,4m. In der Form eines Kreuzes gibt es zudem 5 Steinreihen, die auf den Kreis zulaufen. Zwei davon stehen parallel und formen eine Art Allee. Es wird vermutet, dass er in einem Zeitraum von etwa 1500 Jahren für religiöse Zwecke genutzt wurde. Östlich von dem  zentralen Stein soll sich eine Kammer befinden, die jedoch erst nachträglich hinzugefügt worden sein sollen und für mehrere Jahrhunderte als Grabkammer gedient haben. Im näheren Umkreis befinden sich weitere Steinkreise. Zwischen 1500 und 1000 v.Chr. soll der Steinkreis seine Funktion verloren haben und um 800 v.Chr. war der Platz vermutzlich verlassen. Erst 1857 wurden die Steine wieder freigelegt und von ihrer Torfschicht befreit. Bei der Frage nach der Entstehung des Steinkreises haben die Anwohner ihre eigene Theorie aufgestellt.

So soll es sich bei den Steinen um Riesen handeln, die sich geweigert haben dem christlichen Glauben überzutreten und daraufhin versteinert worden sind.

Des Weiteren wird von einer leuchtenden Gestalt erzählt, die am Mittsommermorgen die Allee entlang laufen soll. Seine Ankunft, so die Sage, wird vom Kuckuck angekündigt. Den gälischen Namen “fir bhrèige” (die falschen Männer) erhielten sie im 17. Jahrhundert.

Die Steinkreise auf der Isle of Arran sollen ebenfalls nicht von Menschenhand erschaffen worden sein. Hier waren es Feen, die vor Langeweile kleine Steine in das Moor geworfen haben, die dann zu riesigen Steinen herangewachsen sind.

Ring of Brodgar und die Stones of Stenness

Ein weiteres Beispiel sind die ebenfalls schon angesprochenen Steinkreise Ring of Brodgar und die Stones of Stenness. Es wird davon ausgegangen, dass sie in einem direkten Zusammenhang zueinander stehen. Der Ring of Brodgar gehört zu den bekanntesten Steinkreisen in Schottland und mit einem Durchmesser von 103,6m ist er der drittgrößte in Großbritannien. Bisher fanden keine ausreichenden Untersuchungen statt, aber es wird vermutet, dass er 2.500 bis 2.000 v. Chr. errichtet worden ist. Der Steinkreis kann aus nordwesticher und südöstlicher Richtung betreten werden und umfasst einen Henge (neolithisches Erdwerk), der typischerweise von einem Graben umgeben wird. Im Inneren befindet sich ein Feld aus Weidekraut. Ursprünglich bestand er aus 60 Steinen, von denen heute noch 27 vorhanden sind. Es wurden zudem 13 prähistorische Grabhügel gefunden, wodurch der Steinkreis oftmals als Ort für die Toten angesehen wird.

Nicht weit entfernt stehen die Stones of Stenness, deren Errichtung auf etwa 3100 v.Chr. datiert wird. Er ist somit der älteste Steinkreis auf den britischen Inseln.

Es handelt sich um einen kleineren Steinkreis, der im Gegensatz zum Ring of Brodgar mit dem Leben in Verbindung gebracht wird und ebenfalls ein Henge-Monument darstellt. Da die beiden Stätten so nah beieinander liegen kam die Theorie auf, dass es den Weg vom Leben in den Tod symbolisieren sollte. Der Steinkreis in Stenness besteht nur noch aus vier von 12 Steinen, die bis zu sechs Meter in die Höhe ragen. Im Zentrum befand sich ursprünglich eine große Feuerstelle. Wie auch schon beim Ring of Brodgar, wird der Ort von einem Graben umgeben, in dem Forscher Knochen von Tieren gefunden haben.

Im Jahr 1814 soll ein Farmer versucht haben, die Steine zu zerstören, da die Menschen, die dort Rituale abhalten wollten, auf dem Weg zu der Stätte seine Felder ruinierten. Bevor er aufgehalten werden konnte, zerstörte er den „Odin Stone“, dem magische Kräfte nachgesagt wurden. Es heißt, wenn ineinander gefaltete Hände durch das Loch des Steines gesteckt wurden, dann würden gegebene Versprechen unbrechbar seien. Es war der sogenannte „Schwur des Odin“. Doch auch bei den fünf Tage andauernden Neujahrsfeierlichkeiten spielte er eine große Rolle. So sollen Liebespaare zuerst zu den Stones of Stennes gegangen sein, wo die Frau niederkniete und zu dem Gott Wodden betete, dass die Schwüre, welche sich das Paar später gegeben würde, gehalten werden. Danach gingen beide zu dem Ring of Brodgar, wo der Mann das selbe Ritual vollzog. Danach schlossen sie den Pakt vor dem Odin Stein.

Am Neujahrstag sollen zudem die Steine auf den Orkney Inseln zum nächstgelegenen Loch (See) wandeln, ihre Köpfe dort hineinstecken, als würden sie trinken und dann wieder zurückkehren. Dieses Schauspiel zu beobachten soll jedoch Pech bringen, wodurch die Menschen die Gegenden zu Neujahr meiden.

Die Callanish Steinkreise in Schottland zählen zu den ältesten in Großbritannien.