Gründung des Vereinigten Königreichs


INHALT
  • Ende des 17. Jahrhundert hatte die schottische Wirtschaft herbe Niederlagen hinnehmen müssen

  • der König hatte mehrfach gegen die Interessen der Schotten gehandelt, um seine eigenen Pläne nicht zu gefährden

  • die Engländer wollten verhindern, dass die Schotten im Kriegsfall ihren Alliierten Frankreich unterstützen würden

  • der Unionsvertrag wurde mit einer kleinen Mehrheit im Parlament beschlossen, während der Großteil der Bevölkerung dagegen war

  • im schottischen Referendum 2014 stimmten 45% der Schotten für die Unabhängigkeit

Die Union Schottlands mit England

Das letzte Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts brachte für Schottland keine guten Zeiten: Fast alle wirtschaftlichen Pläne auf der weltweiten Bühne schlugen fehl oder wurden den Interessen der Krone geopfert. Egal, ob man selber Kolonien gründen, seinen Handel mit anderen Ländern ausbauen oder den Export der eigenen Güter erweitern wollte, aus London kam keine Unterstützung.

1698 zum Beispiel wollte man mit der „Company of Scotland“ eine eigene Handelskolonie in Darien am Isthmus von Panama gründen. Die Schotten waren begeistert von dem Vorhaben und insgesamt wurde ein Viertel des schottischen Kapitals darin investiert. Allerdings scheiterte das Projekt an vielen unglücklichen Zufällen: Die Spanier wollten die Pläne der Schotten vereiteln und zu den vielen spanischen Übergriffen kamen zahlreiche Malaria-Epidemien, bei denen um die 2.000 Menschen der schottischen Kolonie starben.

Doch ein Eingreifen vom schottischen (und englischen) König in London blieb aus: Wilhelm von Oranien hatte eigene Interessen mit Spanien zu wahren und weigerte sich, in den Konflikt einzugreifen, geschweige denn Truppen zu senden, um den dortigen Siedlern zu helfen.

Dabei half es ebenfalls nicht, dass die “Company of Scotland” in direkter Konkurrenz zur englischen „East India Company“ stand.

Als Queen Anne den Thron bestieg und kurze Zeit später ein Gesetz erließ, dass kein Katholik in einem Staatsamt oder in der Regierung sein dürfe, ignorierte man ebenfalls die Meinung der schottischen Untertanen. Eine Haltung, die durch die schottischen Jakobitenaufstände noch bestärkt wurde. Das englische Parlament ging sogar so weit, dass man Schotten außerhalb Britanniens zu Ausländern erklärte, was einem Handelsausschluss gleichkam.

Inmitten dieser Konflikte versuchten die Engländer, die Union der Kronen Englands und Schottlands auch auf die Länder und Regierung auszuweiten. Für die Engländer war natürlich die Befriedung und die Bindung der Schotten an England wichtig, vor allem wenn es um den Kampf gegen Frankreich ging.

Die Union Flag entstand aus dem englischen St. Georgskreuz, dem schottischen St. Andreaskreuz und dem irischen St. Patrickskreuz.
Die schottische Flagge besteht aus dem weissen Andreaskreuz.

Für die Schotten war der wirtschaftliche Vorteil einer politischen Union nicht zu unterschätzen.

Man wollte auch etwas vom großen Kolonialkuchen abhaben und seine eigenen wirtschaftlichen Interessen schützen. Außerdem hatte der Bankrott von Darien ein großes Loch in die schottischen Kassen gerissen.

Im Vorfeld der Unionsverhandlungen soll es viele Bestechungen seitens der Engländer gegeben haben, meistens in Form von Ämtern, Titeln und Vergünstigungen, die im Falle der Union versprochen wurden. So kam es dazu, dass der Unionsvertrag am 16. Januar 1707 mit einer Mehrheit von nur 43 Stimmen im schottischen Parlament ratifiziert wurde, obwohl 75% der Bevölkerung dagegen waren.

Am 28.4.1707 löste sich das schottische Parlament auf, am 1.5.1707 nahmen beide Parlamente in Westminster mehrheitlich die staatliche Union Schottlands und Englands an.

Der Vertrag selbst sah Folgendes vor: Als Flagge des neuen Großbritanniens wurde die von James VI entworfene Union Flag erkoren. Diese hatte er aus dem englischen St. Georgskreuz, dem schottischen St. Andreaskreuz und dem irischen St. Patrickskreuz zusammengestellt.

Das gemeinsame Königshaus wurde nach dem Tode von Queen Anne, der letzten protestantischen Stuart-Königin, das Haus Hannover aus Deutschland. Und das gemeinsame Parlament tagte von nun an in Westminster.

Schottland erhielt durch die Union völlige Handelsfreiheit, was die erste Freihandelszone Europas darstellte. England zahlte Reparationen für Darien an Schottland und sicherte somit den Staatshaushalt. Die Schotten erhielten außerdem Steuervorteile und haben bis heute ihr eigenes Rechts- und Bildungssystem sowie ihre eigene reformierte (presbyterianische) Kirche. Das Feudalrecht und die Stadtrechte in Schottland blieben bestehen, des weiteren wurden Münzen, Maße und Gewichte in beiden Ländern vereinheitlicht.

Durch die Jakobitenrebellionen dauerte es lange, bis Schottland von der Union profitierte. Aber am Ende gab es den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung:Man wandte sich vom Ackerbau zur Viehzucht, das Militär bot viele Karrieremöglichkeiten für die Highlander, Edinburgh und Glasgow wurden in der schottischen Aufklärung zu großen kulturellen Zentren und spielten auch politisch in Europa ganz vorne mit.

Dass nicht alle mit der Union glücklich waren, zeigte sich jedoch bereits nach wenigen Jahren: 1713 gab es einen ersten Antrag im Parlament auf Auflösung der Union durch einen schottischen Lord, der anfangs zwar dafür gestimmt, aber mittlerweile die Nachteile zu spüren bekommen hatte. Der Antrag wurde mit nur 4 Stimmen Unterschied abgelehnt.

Bis zum heutigen Tage gibt es große Unterstützung in der schottischen Bevölkerung, die Union wieder aufzulösen: Das Unabhängigkeitsreferendum von 2014 hatte eine Rekord-Wahlbeteiligung von 84.6% und 45% der abgegebenen Stimmen waren für die Unabhängigkeit Schottlands.

Ein Zitat des 11. Grafen von Buchan, David Erskine, beschreibt die Mentalität vielleicht am besten:

Als Freund von Frieden, Freiheit und Wissenschaft fühle ich mich als Bewohner Großbritanniens. Aber als Bürger könnte ich nicht anders, als mich daran zu erinnern, dass ich Schotte bin.