Die Reformation in Schottland


INHALT
  • in Schottland wurde die Reformation vom Volk gestartet

  • in England war es Heinrich VIII, der eine reformierte Kirche einführte, um sich von seiner Frau scheiden lassen zu können

  • der schottische Reformator John Knox gründete 1560 die presbyterianische Kirche Schottlands

  • noch heute ist Schottland ein überwiegend protestantisches Land

Die Reformation in Schottland

Anders als in England, wo die Reformation durch den scheidungswilligen Heinrich VIII. eingeläutet wurde, kam der Protestantismus in Schottland vor allem durch Reisende ins Land. Und dann dauerte es nicht lange, bis die Schotten in die dynastisch-politischen Querelen zwischen dem anglikanischen England und dem katholischen Frankreich geriet.

Die Idee einer Reformation kam vielen Schotten durchaus gerechtfertigt vor: Die katholische Kirche schien zu reich und mächtig, war von Skandalen geprägt und die Übermacht der (katholischen) Franzosen in Schottland war vielen ebenfalls ein Dorn im Auge.

Die Folgen dieser Glaubenskrise sieht man noch heute in vielen schottischen Städten. Vor allem die Kirchen haben durch den Ansturm der Reformierten gelitten.

Fast keine der einflussreichen Kirchen in Schottland ist heil geblieben.

Die meisten Statuen, Altäre, Bilder und aller Schmuck und Pomp wurde oftmals vom Mob zerstört oder zu Geld gemacht. Und auch heute noch haben die meisten Kirchen keine Statuen oder Figuren mehr an der Fassade.

Die Reformation ging – nicht wie in England – vom Volk aus, war aber vor allem in den Lowlands, dem südlichen Schottland erfolgreich, während die Highland-Clans noch lange Zeit katholisch blieben.

Die neue Kirche, die aus der schottischen Reformation entstand, ist eine presbyterianische Kirche, sozusagen eine Laienkirche. Die Gemeinde steht hier im Mittelpunkt und nicht die Bischöfe. Diese wurden als erstes abgeschafft, um eine flache Hierarchie zu schaffen. 

Noch heute hält die Queen ihren Gottesdienst in der Canongate Kirk in Edinburgh ab.
Die Glasgow Cathedral ist die grösste Kirche Schottlands und ein kostbarer Rest des alten Glasgow.
Die St Andrews Cathedral war einst die grösste Kirche in Schottland und besteht heute nur noch aus Ruinen.
Die Abtei-Ruine der alten Holyrood Abbey in Edinburgh wurde im 12. Jahrhundert gebaut.

Um nicht vom Wort Gottes abzulenken, wurden alle religiösen Symbole aus den Kirchen verbannt: Buntglasfenster kamen erst im 20. Jh. langsam wieder auf. Ikonen, Gemälde, Statuen und reich verzierte Altäre findet man auch heute noch selten in schottischen Kirchen. Des weiteren schuf man auch Orgeln und andere Instrumente ab und konzentrierte sich auf einfache Gesänge.

Wie bei reformierten Kirchen üblich, hat auch die presbyterianische Kirche keine Messe, kein Zölibat und kein Latein. Sie ist als Kirche des Wortes, der Predigt und der Bibel geschaffen worden, in der jeder zu Wort kommt und jeder die Bibel lesen und interpretieren kann.

Wenn der sprichwörtliche Geiz der Schotten auch nur den geringsten Kern Wahrheit besitzt, dann mag das am Credo der Presbyterianer liegen: Neben dem Fokus auf das Rationale und Intellektuelle waren Ordnung, Pünktlichkeit, Sparsamkeit, Nüchternheit, sexuelle Zurückhaltung und rastloser Wissenserwerb das A und O für jedes Gemeindemitglied.

Und bei der Durchsetzung dieser Grundsätze war die presbyterianische Kirche sehr streng: Man musste verpflichtend an der Sonntagspredigt teilnehmen, die dann auch richtig gepaukt und mitgeschrieben werden musste. Denn danach wurden von der Gemeinde tief schürfende Fragen und Diskussionen erwartet.

Das Leben in den frühen Zeiten der reformierten Kirche in Schottland war recht freudlos, ernst, streng und puristisch. Allerdings hatte man auch hohe moralische Ansprüche, war rechtschaffen und einen sehr engen Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde.

Die Reformation hatte in Schottland einen hohen Bildungsstand zur Folge.

 

Denn die Gemeindemitglieder ja Lesen und Schreiben können mussten, um aktiv am Kirchenleben teilzunehmen.Diesen Wandel hatte man in Schottland vor allem einer Person zu verdanken: John Knox, dem ‘Martin Luther’ von Schottland.

John Knox (1514-1572)

Der ehemalige katholische Priester konvertierte um 1540 zum Protestantismus und wurde aufgrund dessen in den frühen Jahren der Reformation verfolgt. Aber für einen Kirchenmann war Knox nicht unbedingt ein friedfertiger Mensch, sondern durchaus bereit, für seine Überzeugungen zu kämpfen.

So rächten Knox und seine Anhänger die Hinrichtung des Reformierten George Wishart, indem sie den Erzbischof von St Andrews, David Beaton, in seiner eigenen Burg ermordeten.

Um seinen katholischen Gegnern und seiner Hinrichtung zu entgehen, fand Knox zuerst im protestantischen England und später in Genf Zuflucht. Hier wurde er dann schnell zu einem der entschiedensten Anhänger des Reformators Calvin.

Nach seiner Rückkehr auf die britische Insel verbreitete er weiter die Idee des Calvinismus und veröffentlichte Schriften und Pamphlete. Als Begründer der presbyterianischen Kirche Schottlands wurde er auch zum größten Gegenspieler der katholischen Königin Maria Stuart und hatte auch großen Anteil an ihrer Absetzung im Jahre 1567.

Religion heute

Die schottische Religion ist noch immer vorwiegend protestantisch geprägt. Die offizielle Nationalkirche ist die Church of Scotland, die 1560 von John Knox gegründet wurde und der sich heute rund 32% der Schotten zugehörig fühlen. Nur noch rund 16% der Bevölkerung sind heute katholisch.

Andere Religionen sind heutzutage ebenfalls vertreten: Die letzte Volkszählung bezifferte die muslimische Bevölkerung mit ca. 77.000 Menschen und registrierte 13.000 Buddhisten, 16.000 Hindus, 9.000 Sikhs und 6.000 Juden. Ungefähr 37% der Bevölkerung gaben an, keiner Kirche zugehörig zu sein.